In Deutschland steigen die Kraftstoffpreise in einigen Regionen deutlich, weil der niedrige Wasserstand des Rheins die Anlieferung erschwert. Ein Teil des Kraftstoffs wird in Deutschland per Binnenschiff transportiert, und genau dieser Transportweg ist derzeit stark eingeschränkt, wie die niederländische Nachrichtenagentur ANP berichtet.
Der Rhein als logistische Schwachstelle
Wegen des ungewöhnlich niedrigen Wasserstands können Binnenschiffe deutlich weniger Fracht transportieren, auf manchen Streckenabschnitten fahren sie überhaupt nicht mehr. Transportunternehmen weichen deshalb auf teurere Alternativen wie den Lkw-Transport aus, was sich unmittelbar auf die Kraftstoffpreise an der Zapfsäule auswirkt.
Aktuell kostet ein Liter Super E10 (Euro95) in Deutschland im Durchschnitt 2,23 Euro. Damit bleibt der Preis niedriger als in den Niederlanden, wo ein Liter 2,27 Euro kostet. Belgien liegt mit rund 1,83 Euro pro Liter deutlich darunter.
Bundesregierung lehnt neue Steuersenkung ab
Der Bundesverkehrsminister erklärte, die Bundesregierung verfolge die Preisentwicklung in den betroffenen Regionen aufmerksam. Bereits im April hatte Deutschland im Zusammenhang mit dem Krieg im Nahen Osten eine vorübergehende Steuersenkung auf Kraftstoffe eingeführt. Diesmal spricht sich Minister Steffen Bilger gegen eine erneute Entlastung aus – sie sei weder finanzierbar noch angemessen. Innerhalb der Koalition wird das Thema dennoch weiter diskutiert.
Bilger relativierte zugleich die Lage: Von einer echten Versorgungskrise könne noch keine Rede sein, die Lieferketten funktionierten grundsätzlich weiter. Allerdings seien die Preise in einzelnen Regionen deutlich gestiegen.
Niederlande bereits Ende Juli betroffen
Ähnliche Probleme gab es bereits Ende Juli in den Niederlanden: Im Osten des Landes kam es zu Versorgungsengpässen bei Kraftstoffen, nachdem der Twentekanal seit dem 25. Juli wegen niedrigen Wasserstands gesperrt worden war. Die Depots von FincoEnergies in Enschede und von Varo Energy in Hengelo waren dadurch für Binnenschiffe nicht mehr erreichbar. Der Kanal ist bis heute gesperrt – ein Zeichen dafür, wie anfällig der Kraftstofftransport auf dem Wasserweg in Nordwesteuropa derzeit ist.
Kraftstoffpreise im europäischen Vergleich
Wer die Preisentwicklung in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern verfolgen möchte, findet aktuelle Daten auf unserer Seite Kraftstoffpreise in Europa. Die tagesaktuellen Preise für Frankreich sind zudem jederzeit über unser Preisbarometer einsehbar.
Häufig gestellte Fragen
Warum steigen die Kraftstoffpreise in Deutschland derzeit?
Der niedrige Wasserstand des Rheins schränkt die Transportkapazität der Binnenschifffahrt ein. Anbieter weichen auf teurere Transportwege wie den Lkw aus, was die Preise in einigen Regionen ansteigen lässt.
Ist Benzin in Deutschland teurer als in den Niederlanden?
Nein, ein Liter Super E10 kostet in Deutschland im Durchschnitt 2,23 Euro gegenüber 2,27 Euro in den Niederlanden. Belgien ist mit rund 1,83 Euro pro Liter deutlich günstiger.
Plant Deutschland eine erneute Steuersenkung auf Kraftstoffe?
Verkehrsminister Steffen Bilger lehnt eine erneute Steuersenkung derzeit ab, da sie weder finanzierbar noch angemessen sei. Innerhalb der Regierungskoalition wird das Thema jedoch weiter diskutiert.