Diesel B10 und HVO100 in Deutschland: Unterschiede und Preise

Diesel B10 und HVO100 in Deutschland: Unterschiede und Preise

Seit Ende Mai 2024 gibt es an deutschen Tankstellen neben dem klassischen Diesel B7 zwei weitere Dieselsorten: B10 mit einem höheren Biodieselanteil und HVO100, einen Diesel aus 100 % erneuerbaren Rohstoffen. Beide sind nicht für jedes Fahrzeug freigegeben. Und beim Preis hat sich im Spätsommer 2026 etwas Ungewöhnliches getan: HVO100 ist im Großhandel erstmals günstiger als fossiler Diesel. Zusammensetzung, Freigaben, Rechtslage und Preise im Überblick.

Die Rechtslage: die novellierte 10. BImSchV

Grundlage ist die Änderung der 10. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (10. BImSchV). Sie wurde am 28. Mai 2024 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht; seit dem 29. Mai 2024 dürfen paraffinische Dieselkraftstoffe wie HVO100 an Tankstellen als Reinkraftstoff verkauft werden. Gleichzeitig wurde Diesel B10 zugelassen.

Die Novelle setzt die EU-Richtlinie 2023/2413 um. Diese führt B10 europaweit ein und verpflichtet die Mitgliedstaaten, die Verfügbarkeit von Diesel B7 als sogenannte Bestandsschutzsorte sicherzustellen. Wer B7 tankt, findet ihn also weiterhin überall.

Diesel B10: bis zu 10 % Biodiesel

B10 ist konventioneller Diesel, dem bis zu 10 % Biodiesel (Fettsäuremethylester, FAME) beigemischt werden. Die Qualität regelt die Norm DIN EN 16734; der beigemischte Biodiesel muss die Norm DIN EN 14214 erfüllen. An der Zapfsäule erkennt man B10 am Schriftzug „B10“ in einem quadratischen Rahmen.

Tankstellen, die B10 anbieten, müssen zusätzlich B7 bereithalten. Genau diese Pflicht kritisiert der Verband der Hersteller abfallbasierter Kraftstoffe (MVaK): Er fordert, sie flexibler zu gestalten, damit sich B10 schneller verbreitet. Nach Berechnungen des Verbands hätte B10 im ersten Halbjahr 2026 bis zu drei Cent pro Liter günstiger als B7 verkauft werden können.

Ist mein Auto für B10 freigegeben?

Das Bundesumweltministerium rät, vor dem Tanken von B10-, HVO- oder XTL-Diesel die Herstellerfreigabe zu prüfen. Hinweise finden sich teils im Tankdeckel, teils in der Betriebsanleitung. Die Deutsche Automobil Treuhand (DAT) sollte eine Übersicht der freigegebenen Fahrzeuge veröffentlichen. Wer keinen Nachweis über die Verträglichkeit mit B10 oder XTL hat, sollte ausschließlich Diesel B7 tanken.

HVO100: Diesel ohne Erdöl

HVO steht für Hydrotreated Vegetable Oil, also hydriertes Pflanzenöl. Hergestellt wird der Kraftstoff aus Pflanzenölen, tierischen Fetten sowie pflanzlichen und tierischen Abfallstoffen, etwa Altspeiseöl. HVO100 enthält keinen fossilen Anteil. Er gehört zu den paraffinischen Dieselkraftstoffen nach DIN EN 15940 und trägt an der Zapfsäule das Kürzel XTL.

Freigabe: auf das XTL-Symbol achten

Auch für HVO100 gilt: nur mit Freigabe des Herstellers. Bei BMW, Mercedes, Toyota und Volvo sowie bei neueren Dieselmodellen von Renault, Stellantis und VW gibt es bereits entsprechende Freigaben. Maßgeblich ist das XTL-Symbol am Tankdeckel oder die Angabe in der Betriebsanleitung.

Klimabilanz

Laut ADAC lassen sich mit HVO100 die bilanziellen CO2-Emissionen um bis zu 90 % gegenüber fossilem Diesel senken. Chemiker weisen außerdem darauf hin, dass bei der Verbrennung weniger Ruß und Stickoxide entstehen.

Verfügbarkeit

Laut eFuelsNow bieten 2026 über 2.400 Tankpunkte in Deutschland HVO100 oder HVO-Blends an, also etwa jede sechste Station. Deutschland verfügt allerdings derzeit über keine eigene HVO100-Produktion; die Mengen werden importiert. Im Sommer 2026 führte die eingeschränkte Schiffbarkeit des Rheins an mehreren Tanklagern zu HVO-Leerständen. Die Preise fossiler Kraftstoffe in Deutschland finden Sie auf unserer Seite Tankstellen in Deutschland.

Preise: HVO100 im Großhandel erstmals unter Diesel

Nach der Zulassung 2024 kostete HVO100 laut ersten ADAC-Stichproben meist sechs bis zehn Cent mehr als herkömmlicher Diesel. Ein struktureller Vorteil: HVO100 ist von der CO2-Abgabe befreit, die 2026 bei rund 21 Cent pro Liter liegt. Dieser Vorteil wurde bisher aber durch höhere Produktions- und Beschaffungskosten ganz oder teilweise aufgezehrt; zudem kalkulieren viele Tankstellen nach dem Prinzip „Dieselpreis plus Aufschlag“.

Seit Mitte August 2026 hat sich das Verhältnis im Großhandel umgekehrt. Nach Berechnungen der Preisberichtsagentur Argus Media lag HVO100 am 18. September 2026 im Bundesdurchschnitt um mehr als sechs Euro je 100 Liter unter B7-Diesel, an einzelnen Tanklagern wie in Hamburg zeitweise rund zehn Euro. Grund ist der starke Anstieg des fossilen Diesels infolge der Spannungen im Nahen Osten. Die Entwicklung des Rohölpreises verfolgen Sie auf unserer Seite zum Brent-Ölpreis.

ZeitpunktPreisabstand HVO100 zu Diesel
Einführung 2024 (Tankstelle, ADAC)+6 bis +10 ct/l
18. September 2026 (Großhandel, Argus)über −6 ct/l

An der Zapfsäule kommen Großhandelspreise erfahrungsgemäß mit Verzögerung an. Ob HVO100 dauerhaft günstiger bleibt, hängt unter anderem von der Nachfrage und von möglichen Engpässen bei Pflanzenölen, tierischen Fetten und Abfallstoffen ab. Aktuelle Tankstellenpreise für HVO100 zeigt die Kraftstoffpreis-Suche des ADAC.

Vergleich B10 / HVO100

KriteriumB10HVO100
ZusammensetzungFossiler Diesel + bis zu 10 % FAME100 % erneuerbar
NormDIN EN 16734DIN EN 15940
KennzeichnungB10XTL
FreigabeHerstellerfreigabe B10Herstellerfreigabe XTL
Zulässig an TankstellenSeit 2024, B7 muss daneben angeboten werdenSeit 29. Mai 2024
CO2-AbgabeJa (fossiler Anteil)Befreit

Quellen

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